Rolf Eschenbach, Helmut Siller - Controlling professionell

Controlling professionell
Konzeption und Werkzeuge
Rolf Eschenbach, Helmut Siller
Schäffer Poeschel, 2009
392 Seiten, gebunden
ISBN 978-3791028910

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Theorie und Praxis des Controllings

Die Fülle der derzeit angebotenen Literatur zum Thema Controlling macht es oftmals unmöglich oder schwer, das Alleinstellungsmerkmal der jeweiligen Publikation aus­zumachen. Dies trifft jedoch nicht für das vorliegende Lehrbuch zu. Die Autoren ge­hen von einem ganzheitlichen und anspruchsvollen Controlling-Verständnis aus, das dem Systemansatz konsequent folgt und sich nicht nur auf strategische und opera­tive Bereiche beschränkt, sondern auch Normen und Werte einbezieht: "Controlling verstehen wir als betriebswirtschaftlich fundierte normen-, strategie-, finanz-, markt-, prozess-, informations- und verhaltensorientierte Regelung in Unternehmen. Zweck des Controllings ist das Leisten von Führungsunterstützung, um gemeinsam verein­barte Unternehmensziele zu erreichen (transparentes Monitoring)." (S. 41)

Damit wird deutlich, dass das bislang oft gepflegte Zerrbild vom Controller – ein pra­xisfremder und nur rechnungswesenorientierter "Erbsenzähler" – längst der Vergan­genheit angehört. Für die beiden Autoren Rolf Eschbach (em. Professor der Wirt­schaftsuniversität Wien und wissenschaftlicher Leiter des Österreichischen Control­ler-Instituts, ÖCI) und Helmut Siller (Fachbereichsleiter Rechnungswesen und Cont­rolling am Institut für Unternehmensführung, FHWien–Studiengänge der WKW/Wirtschaftskammer Wien) geht es in diesem Werk nicht um das "Basic Cont­rolling" der 1960er und 1970er Jahre, sondern vielmehr um ein qualitativ hoch­ste­hendes, professionelles Controlling, das überall dort unentbehrlich ist, wo es Ziele gibt.

Die 10 Kapitel des Buches befassen sich mit den folgenden Themenbereichen:
1. Moderne Unternehmensführung. Unternehmen als komplexe Systeme müssen nach dem Prinzip des kybernetischen Regelkreises geführt werden und müssen zur Sicherstellung ihrer Handlungsfähigkeit auf den normativen, strategischen operativen Gestaltungsfeldern aktiv sein.
2. Grundlagen professionellen Controllings. Controlling ist für möglichst effektive und effiziente Unternehmensführung nötig. Professionelles Controlling versteht sich als funktionsübergreifender, betriebswirtschaftlicher Allround-Service für alle Mitarbeiter.
3. Tätigkeitsfelder und Arbeitsweise im professionellen Controlling. Die Tätig­keitsfelder Planung, Kontrolle, Information, Innovation und Koordination sind stark miteinander vernetzt. Die Arbeitsweise der Controller ist problemlösungsorientiert, ganzheitlich und wird durch verschiedene Methoden, die als Techniken, Modelle, Konzepte und Ansätze verstanden werden können, unterstützt.
4. Controlling der normativen Ziele. Normatives Controlling unterstützt das Mana­gement bei der Sicherung der nachhaltigen Fortschrittsfähigkeit und der Erhaltung und Entwicklung der Unternehmensidentität. Als Regelungsgrößen kommen ins­besondere Werte, interne Normen und Richtlinien sowie das Leitbild in Betracht.
5. Controlling der strategischen Ziele. Das Management wird vor allem in der Ana­lyse und der Umsetzungsphase, z. B. durch Branchen-, Potenzial- und Portfo­lioanalysen sowie durch Szenario-Technik und strategisches Kostencontrolling, unterstützt.
6. Controlling der operativen Ziele. Controlling hat hier vor allem Führungssupport zur Sicherung der Liquiditäts- Rentabilitäts- und Produktivitätsziele zu leisten. Be­sonderen Stellenwert hat der Prozess der Budgeterstellung und -kontrolle. Zu­sätzlich können z. B. Bilanzanalyse, operatives Kosten- und Leistungscontrolling, Investitionscontrolling sowie Liquiditäts- und Working Capital-Controlling ergän­zend hinzutreten.
7. Verbindung des Controllings der normativen, strategischen und operativen Ziele. Zur lückenlosen Verbindung der Ziele, Prozesse und Ergebnisse auf der normativen, strategischen und operativen Ebene wird die Informationsversorgung benötigt. Als Instrumente hierfür eignen sich insbesondere das System der Ba­lanced Scorecard und das interne Berichtswesen.
8. Organisation des Controllings. Für die organisatorische Eingliederung des Cont­rollings gibt es kein allgemein gültiges Schema; es sind vor allem die unter­schiedlichen Ziele und Aufgaben des Controllings, nebst dem internen und exter­nen Umfeld sowie der Größe und Branche des Unternehmens, welche die struk­turellen Gegebenheiten beeinflussen. Weit verbreitet ist derzeit eine Kombi­nation aus zentraler und dezentraler Organisation, die Dotted-line-Organisation.
9. Einführung von Controlling. Als Einführungsstrategie hat sich ein Stufenkon­zept gegenüber dem Vorgehen des sog. "Bombenwurfs" bewährt. Das Commit­ment durch das Top-Management zum Controlling-Gedanken und das Vertrauen, das sich der Controller im Zuge seiner Arbeit erwerben kann, sind die wichtigsten Er­folgsfaktoren einer Controlling-Einführung.
10. Entwicklungstrends im Controlling. Im Zuge der durch die Techniken der Infor­mations- und Kommmunikationstechnologie verstärkten Professionalisierung stei­gen die Anforderungen an Controller. Hinzu kommen weitere Aufgaben, wie z. B. mehr Engagement auf der normativen Ebene der Unternehmensführung und in den Bereichen des Risiko- und Chancencontrollings, im internationalen Projekt­management, etc.

Die Konzeption dieses Buches ist aus einer langjährigen Forschung, Lehre und Pra­xis der beiden Autoren zum Controlling entstanden und zeigt vorrangig, wie Control­ling nachhaltig und professionell betrieben wird; jedoch weniger, was Controller alles können sollten. Wer sich somit von diesem Buch eine ausführliche Einführung in und eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Vielzahl der dem Controlling zuordenbaren Metho­den erhofft, wird enttäuscht. Verfügt der Leser jedoch über die einschlägi­gen kaufmännischen Vorkenntnisse, insbesondere in Buchhaltung, Bilanzierung, Kosten­rechnung, Fi­nanzierung und Investition, so kann er dieses Buch mit großem Nutzen zur Begleitung und Vertiefung der Controlling-Lehrveranstaltungen im Rahmen des betriebswirt­schaftlichen Bachelor- und Masterstudiums an Hochschulen verwenden. Daneben ist dieses Lehrbuch auch für Manager und die bereits in der Praxis tätigen Mitarbeiter des Controllings zu empfehlen, da sich im vorliegenden Werk nicht zuletzt eine Fülle wertvoller Erfahrungen und Erkenntnisse der Controllerpraxis widerspie­geln.

Sehr gut gelungen sind auch der klare und verständliche Duktus der Ausführungen sowie das methodische Design dieses Lehrbuches:
- Zahlreiche Abbildungen unterstützten das Verständnis selbst für oftmals kom­plexe Zusammenhänge. Leider entsprechen die verwendeten kleinen Schriftgrö­ßen und die in grau gehaltenen Abbildungen bzw. Grafiken nicht mehr den mo­dernen Anforde­rungen an eine gelungene visualisierte Form der Wissensvermitt­lung. Das Layout dieses Lehrbuchs könnte in einer zukünftigen Neuauflage des­halb zweifelsohne noch verbes­sert werden.
- Lernziele und eine Zusammenfassung am Anfang bzw. am Ende eines jeden Kapi­tels machen deutlich, welche Erkenntnisse und Kenntnisse nach dem Durch­arbeiten erworben werden sollten.
- Jeder Zusammenfassung folgen Fragen zur Lernzielkontrolle, welche auch als Prüfungsfragen zur erfolgreichen Klausurvorbereitung genutzt werden können.
- Am Ende eines jeden Kapitels folgt ein Abschnitt mit Übungs- bzw. Rechenbeispie­len zur Wiederholung und Vertiefung der Aussagen im Text sowie zum Praxistransfer. Die jeweiligen Lösungsvorschläge hierzu finden sich im 11. Kapitel.
- Ein Glossar, das alle zentralen Begriffe des Textteils (welche dort fett gedruckt sind) enthält, sowie ein umfangreiches Literaturverzeichnis unterstützen die Wie­derholung bzw. dienen der individuellen Vertiefung des vermittelten Lehrstoffs.
- Interessierte Lehrende haben die Möglichkeit, zur eigenen Lehrunterstützung Lehr­materialien zu diesem Buch beim Dozentenservice des Verlags abzurufen.

Wegen der ausgezeichneten inhaltlichen und methodischen Darstellung der Theorie und Praxis des Controllings kann dieses Buch sowohl Studierenden an Hochschulen und Akademien, als auch Praktikern der Unternehmen und NPO-Orga­nisationen, bestens empfohlen werden.


von Bernd W. Müller-Hedrich


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