Carlos Fuentes - Die gläserne Grenze

Die gläserne Grenze
Carlos Fuentes
Fischer, 2000
334 Seiten, broschiert
ISBN 978-3596146468

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Mexiko - USA

Nirgends treffen zwei so ungleiche Nachbarn aufeinander wie an der Grenze zwischen Mexiko und den USA. Das Inbild von Macht und Geld grenzt an ein Paradebeispiel der armen
Länder. Will ein mexikanischer Staatsbürger mehr als 72 Stunden in den USA verweilen, braucht er die Erlaubnis der US-Einwanderungsbehörde. 1996 wurden 1.6 Millionen
Mexikaner ausgewiesen (ein Rekordwert). Von den Dramen, die sich an dieser Grenze abspielen, bekommen wir nur die schlimmsten zu Gehör. Carlos Fuentes, der dort längere Zeit
gelebt hat, widmet den vorliegenden Roman den Schicksalen und Ereignissen, die sich rund um den Zusammenprall der beiden Kulturen abspielen.

Die neun Erzählungen sind von ganz unterschiedlichem Stil und trotzdem haben sie eine gemeinsame Linie, die mit einer zentralen Person gegeben ist: Leonardo Barroso.
Gleich in der ersten Erzählung erhält der Geschäftsmann sein Profil. Er verheiratet seinen unansehnlichen Sohn mit seiner schönen Patentochter, die ihn (nicht etwa den
Sohn) anhimmelt und zu seiner Geliebten wird. Barroso scheint über den Dingen zu stehen und so auch über der Grenze. Er hat Macht und Geld, doch der Preis ist die Entwurzelung
im eigenen Land. Die Hauptfiguren der einzelnen Erzählungen stehen jeweils in einem entfernten oder nahen Zusammenhang mit Barroso. Ein gemeinsamer Schluss kann gezogen werden: Die
Grenze ist nicht wirklich überwindbar. Auch wenn der Schritt in die USA (auf legale oder illegale Weise) geschafft ist, bleibt der Abstand doch zu gross.

Die Stärke dieses Buches (die stilistische Vielfalt) hat auch seine Schwächen. Der rote Faden (die Figur Leonardo Barroso) geht zum Teil verloren oder wirkt
aufgesetzt, so, dass er auch ohne weiteres hätte weggelassen werden können und es einfach ein Buch mit unterschiedlichen Erzählungen geworden wäre. Aber trotzdem lohnt
sich die Lektüre. Einerseits wegen ein paar wirklich gelungenen Geschichten und andererseits wegen dem politischen Gehalt.


von Jan Rintelen


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